Fuji X-Trans und Lightroom – Tipps, Tricks und ein Tool

Heute können Kameras technisch noch so gut sein, das finale Bild entsteht oft am Computer und ist abhängig von entsprechender Software. Wenn die Ergebnisse gerade an dieser Software scheitern, ist Frust vorprogrammiert.

So erging es mir lange Zeit mit Fuji X Kameras und deren X-Trans Sensoren. Diese sind anders aufgebaut als normale CMOS Sensoren und benötigen keinen Tiefpass oder AA-Filter um Moiré zu vermeiden. Das Ergebnis sollen sehr detailreiche und scharfe Bilder sein – laut der Marketing Abteilung von Fujifilm.
Ich möchte gar nicht so tief in die Technik einsteigen, aber wer sich dafür interessiert, klickt einfach auf die verlinkten Seiten 🙂

Als die Fuji X-Pro1 angekündigt wurde, war ich ziemlich heiß auf die Kamera, aber die Ernüchterung kam in dem Moment, in dem ich die aus dem Internet heruntergeladenen RAW-Fotos in Lightroom importiert habe. Verwaschene Details, keine Schärfe, Farbfehler… so ziemlich alles, was man nicht in seinen Fotos haben möchte.

Das Problem, sofern man es so nennen kann, war mein Adobe Lightroom basierter Workflow. Denn Lightroom bot zum damaligen Zeitpunkt die schlechteste Unterstützung für X-Trans Sensoren. Aber auch andere RAW-Konverter großer Hersteller lieferten keine gute Ergebnisse. Die Kamera war im RAW-Format, für mich, nicht benutzbar.


Kommt Zeit, kommt Rat…

Nun sind schon einige Jahre vergangen und auch die Software hat sich weiterentwickelt. Lightroom 5.7 kommt heute erheblich besser mit den X-Trans Daten klar, aber trotzdem liefert es von Haus aus noch keine Ergebnisse mit denen ich zufrieden bin. Andere Hersteller wie DXO bieten z.B. bis heute keine ausreichende Unterstützung für X-Trans Sensoren und scheinen auch nicht daran interessiert zu sein daran etwas zu ändern.
Nichts desto trotz lese ich immer häufiger in Foren, dass Fotografen ihre Vollformatausrüstung gegen das Fuji X-System austauschen. Irgendwas müssen diese Kameras also an sich haben, das Fotografen begeistert.

Nun habe ich hier auch eine Fujifilm X-T1 liegen und stand vor dem Problem, dass mich Lightroom nicht zufriedenstellte und ich meinen Lightroom basierten Workflow beibehalten möchte, ohne auf spezielle Add-Ins oder teure Software zu setzen, die mir die Bilder für Lightroom aufarbeiten. Ich habe trotzdem Capture One 8, Photo Ninja und selbst Iridient Developer getestet und am meisten begeistert hat mich Iridient Developer. Nun stand ich wieder vor einem Problem: die Software gibt es nur für Apple OS X (Macs) und kostet 99 Dollar. Da ich weder auf einen Mac umsteigen, noch 99 Dollar locker machen wollte, war ich also wieder einmal so schlau wie zuvor 🙂

Im Internet findet man meistens nur Anleitung welche Regler man bei Lightroom auf welchen Wert einstellen soll, um gute Ergebnisse zu erzielen. SÄMTLICHE Empfehlungen führten bei mir zu fast noch schlimmeren Ergebnissen als vorher. Da war ich schon kurz davor hinter das Thema einen großen Haken zu setzen 😀

Dann fand ich einen Artikel, der eine Konvertierung der RAW-Fotos in das TIFF-Format mittels dcraw und Photoshop behandelt und um es kurz zu machen: Die Ergebnisse waren der Knaller! Zwar noch nicht perfekt und noch nicht so wie ich es gerne gehabt hätte, aber das lag auch daran, dass der Artikel sich noch auf eine ältere dcraw Version bezog und man evtl. nicht alles 1:1 übernehmen konnte.

Ich habe mich dann hingesetzt und ein paar Tage an den Parametern herumgespielt bis ich zufrieden war und dcraw bei allen meinen Testbildern gute Ergebnisse lieferte. Um den Aufwand gering zu halten und auf die schnelle mehrere Bilder auf einmal konvertieren zu können, habe ich alles in einer selbstprogrammierten Oberfläche zusammengefasst, die ich weiter unten zum Download bereitstelle.

Benutzeroberfläche von X-Transition Version 0.1
Benutzeroberfläche von X-Transition Version 0.1

Diejenigen die einfach nur das Programm herunterladen wollen, scrollen jetzt bitte ganz nach unten…
Alle anderen bekommen jetzt Beispielbilder und Technik um die Ohren gehauen 😀


Zur Technik

Die Konvertierung der RAF-Datei in das TIFF-Format erfolgt im Hintergrund mit dem folgenden Kommandozeilenaufruf (Standardparameter der GUI):

dcraw.exe -w -H 3 -o 4 -q 2 -f -m 15 -g 2.4 12.92 -6 -T -t 0 DATEINAME.RAF

Was das tut? Am besten klären wir das einen Parameter nach dem anderen….

-w Gibt an, dass der Weißabgleichswert der Kamera verwendet werden soll.
-H 3 Spitzlichter sollen korrigiert werden, indem das gesamte Bild abgedunkelt wird. Es wird darauf geachtet weder in hellen, noch in dunklen Bereichen Details zu verlieren. Nachteil: Das Bild muss wahrscheinlich später in Lightroom aufgehellt werden. Rauschen muss man jedoch nicht befürchten.
-o 4 Die Ausgabe erfolgt im ProPhoto Farbraum (Standard bei Lightroom). Wer will kann auch sRGB oder einen anderen verwenden.
-q 2 Bei der Interpolation des Bildes wird Patterned Pixel Grouping (PPG) verwendet. Das liefert bei X-Trans gute Ergebnisse.
-f Bei der Interpolation wird RGB als 4 Farben behandelt.
-m 15 Farbartefakte werden in 15 Durchläufen beseitigt. Wer mit weniger Durchläufen gute Ergebnisse erzielen kann, spart sich sehr viel Rechenzeit. 15 Sind bei X-Trans ein guter Mittelwert.
-g 2.4 12.92 Es wird die Standard sRGB Gammakurve verwendet.
-6 Die Ausgabe erfolgt in 16-Bit, damit genug Spielraum zur Bearbeitung bleibt.
-T Die Ausgabe erfolgt im TIFF-Format.
-t 0 Bilder im Hochformat werden nicht automatisch gedreht. Das ist wichtig, weil sonst das Abschneiden der Ränder nicht funktioniert.
DATEINAME.RAF Ihr werdet es schon vermutet haben: Der Dateiname des RAW-Bildes 😀

Bis auf die Parameter -f (RGB als 4 Farben interpolieren), -g 2.4 12.92 (Gammekurve), -6 (Ausgabe in 16-Bit) und -T (Ausgabe als TIFF) können alle Parameter auf der Programmoberfläche angepasst werden.

Alle Parameter können auf der Manpage zu dcraw angesehen werden.

Die Konvertierung eines Bildes benötigt auf meinem Laptop (Intel Core i3-3227U, 8 GB RAM, 128 GB Samsung SSD, Windows 8.1) ca. 3-4 Minuten. Wer seine 10.000 Urlaubsbilder damit konvertieren möchte, darf also keine Eile haben 😉


Abschneiden der Ränder

Solltet ihr den Haken bei „Ränder abschneiden?“ gesetzt lassen (Standard und absolut zu empfehlen), wird das Bild durch die convert.exe von ImageMagick auf die Größe von 4914 x 3276 Pixel beschnitten. Dies ist empfehlenswert, da die Umwandlung mit dcraw eine, im Vergleich zur RAF-Datei, größere Datei (4896 x 3264 zu 4936 x 3296) erzeugt, die am äußeren Rand eine „gestrichelte Linie“ aufweist. Ich gehe davon aus, dass die äußeren Ränder der importierten RAF-Datei automatisch abgeschnitten werden, da sie für die kamerainterne Verzeichnungskorrektur reserviert sind.
Wir haben so aber immerhin 117.000 Pixel „mehr“ Bild 😀


Weg mit den Zipper Artefakten

Im ZIP-Paket findet ihr auch eine Photoshop Aktion, die ihr euch importieren könnt. Diese habe ich anhand des oben verlinkten Artikels erstellt und verarbeitet die TIFF-Bilder noch einmal folgendermaßen:

– Bildmodus in LAB Farbe ändern
– Bildgröße auf 200% (bikubisch glatter) setzen
– Helligkeitskanal auswählen
– Filter „Helligkeit interpolieren“ mit einem Radius von einem Pixel anwenden
– Bildgröße auf 50% (bikubisch schärfer) setzen
– Bildmodus wieder in RGB ändern

Das bewirkt, dass die Zipper Artefakte im Bild verringert bzw. beseitigt werden. Zipper Artefakte? Noch nie gehört? Ging mir auch so 😀 In Google eingegeben und auf Radiologiebilder gestoßen? Willkommen im Club 😀 In Kurzform kann man sagen, dass Zipper Artefakte sich als Treppchen an Linien zeigen. Auf Deutsch deshalb auch „Linienartefakte“. Hier werden sie beiläufig erwähnt.

links: nach Photoshop, rechts: mit Zipper Artefakten
100% Ansicht – links: nach Photoshop, rechts: mit Zipper Artefakten (klicken für große Version mit allen Details)

Im Beispielbild sieht man z.B. den Unterschied in den Details der dunklen Dachziegel. Die Zipper Artefakte wirken wie Bildstörungen. Auch an den Ästen sieht man eine leichte Verbesserung und Verringerung der Treppchenbildung links. Es gibt Bilder, da tritt der Unterschied noch deutlicher hervor. Am besten selbst probieren 🙂

Nachdem die Aktion in Photoshop importiert wurde, können ganze Ordner mit der Aktion bearbeitet werden. Dafür verwendet man in Photoshop die Stapelverarbeitung unter „Datei – Automatisieren – Stapelverarbeitung…“.

Ich setze folgende Einstellungen:

Einstellungen zur Stapelverarbeitung
Einstellungen zur Stapelverarbeitung

Die Originaldatei wird dabei überschrieben. Wer das anders möchte kann sich die Aktion gerne auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Kein Photoshop? Ich habe etwas recherchiert und herausgefunden, dass der Filter „Flecken entfernen“ in GIMP die gleiche Wrikung hat. Das Problem ist nur, dass GIMP noch keine 16-Bit Dateien unterstützt. Dadurch geht viel Bearbeitungsspielraum verloren. Notfalls kann man auch mit den Zipper Artefakten leben.


Verzeichnungs- und Objektivkorrektur

dcraw kann keine Verzeichnungs- bzw. Objektivkorrektur anwenden. Wer das braucht importiert am besten vom gleichen Motiv eine RAF und eine TIFF-Datei in Lightroom und bearbeitet die .IFF-Datei so lange mit der Objektivkorrektur, bis das Ergebnis der automatischen Korrektur der RAF-Datei nahe kommt. Die Einstellung kann dann in einem Profil hinterlegt werden, das man automatisch beim importieren der TIFF-Datein anwenden kann.


Schlusswort

Zum Abschluss noch das Vergleichsbild zwischen der importierten original RAF-Datei und dem importierten TIFF. Beide wurden auf gleiche Art und Weise geschärft (50 | 1.3 | 50 | 0). Lediglich die Belichtung ist nicht vollkommen gleich, weil das TIFF wegen der Spitzlichterkorrektur noch aufgehellt werden musste.

links: orignal .RAF-Datei, rechts: importierte .TIFF-Datei (gleiche Schärfung und Klarheit, klicken für große Version mit allen Details).
100% Ansicht – links: orignal RAF-Datei, rechts: importierte TIFF-Datei (gleiche Schärfung und Klarheit, klicken für große Version mit allen Details).

Hier sieht man nun deutlich welche Vorteile die Konvertierung ins TIFF-Format mittels dcraw bringt. Als erstes fällt das Gras im Hintergrund auf. Bei der RAF-Datei ist es nur noch eine matschige grüne Fläche ohne große Details. Die Äste haben Doppelkonturen und Treppchenbildung, manche gehen fast schon im Hintergrund unter. Die Dachziegel wirken matschig und wie gemalt. Es fehlt komplett an Details.
Im Gegensatz dazu zeigt das TIFF-Bild nach der Bearbeitung Details im Gras, saubere Äste, keine Treppchenbildung und kein Verschwimmen. Die Dachziegel sind sauber strukturiert.


Download

Ich biete alle von mir erstellen Dateien zum kostenlosen Download an. Die Oberfläche ist jedoch noch nicht vollkommen ausgereift und es kann noch zu Fehlern kommen. Es ist mir zwar noch nichts dergleichen passiert, aber: Verwendung auf eigene Gefahr 😉 Ich übernehme keine Haftung für gelöschte oder ruinierte Fotos…

Link zum ZIP-Archiv mit allem was benötigt wird: X-Transition Version 0.1

Das Programm benötigt keine Installation und ist direkt lauffähig.

Ich hoffe ich konnte so dem einen oder anderen eine kleine Hilfestellung anbieten. Ich für meinen Teil bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden 🙂