Fuji X Workflow: Capture One 8 + Photoshop und Alternativen

Im Februar habe ich einen Artikel geschrieben, in dem ich ein selbst programmiertes Programm, eine Oberfläche für dcraw, vorgestellt habe, das besser als Lightroom mit den X-Trans RAW-Dateien funktioniert. Mittlerweile sind einige Monate vergangen und ich bin um einige Erfahrungen reicher.

Bei X-Transition gibt es öfter einmal Probleme mit ausgebrannten Stellen im Bild, die in einem Magenta-Himmel resultieren können. Also ist die Konvertierung immer noch mit Problemen verbunden.

Da ich aber nicht so einfach aufgeben wollte, habe ich das Internet auf links gedreht und weiter gesucht, ob es nicht noch andere Ansätze gibt. Ein Ansatz war, anstatt Lightroom, Capture One zu verwenden. Ich habe mir also die Testversion von Capture One (noch einmal :D) heruntergeladen, mich hingesetzt und tagelang an den Einstellungen geschraubt bis ich einigermaßen zufrieden war. Schnell stellte sich aber heraus, dass sich in Capture One zwar eine gewisse „Grundschärfe“ erreichen lässt, aber es da noch viel Luft nach oben gibt.

Aber fangen wir mit den Einstellungen in Capture One an. Ich habe die Einstellungen mit den Versionen 8.0 und 8.2 getestet und kam zu folgenden Einstellungen:

Reiter Farbe:

Klarheit: Methode Natürlich, Klarheit 10, Struktur 20

 

Reiter Details:

Schärfung: Stärke 700-900, Radius 0,2-0,3, Schwellenwert 0 (Werte für Stärke und Radius sollten Motivabhängig eingestellt werden)
Rauschreduzierung: Helligkeit 0, Detail 0-10, Farbe 20, Single Pixel 0 (Werte können der ISO entsprechend angepasst werden)
Moiré: Stärke 0, Muster 4 (4 ist die kleinste mögliche Einstellung)

Mit diesen Einstellungen ist schon eine gute Grundschärfe gewährleistet. Man kann aber mit Photoshop oder z.B. Nik Sharpener Pro 3 noch etwas mehr aus den Dateien herausholen.

 

Schärfung mit Photoshop:

Je nachdem mit welchen Einstellungen das Bild in Capture One vorgeschärft wurde, sind die Einstellungen in Photoshop evtl. zu heftig oder zu gering, aber es sind Werte an denen man sich orientieren kann.

Zuerst müssen wir das Bild aus Capture One nach Photoshop bekommen. Dazu machen wir einen Rechtsklick auf das RAW-Bild und wählen „Bearbeiten mit“. Dort wählen wir dann das unkomprimierte 16-Bit TIFF-Format aus und achten darauf, dass das Bild zu 100% skaliert wird. Im Reiter „Anpassungen“, muss noch der Haken bei „Schärfung deaktivieren“ entfernt werden, falls dieser gesetzt ist.

Capture One erstellt dann ein relativ großes TIFF-Bild und öffnet es automatisch in Photoshop. Das keine Weile dauern.

In Photoshop machen wir einen Rechtsklick auf die Hintergrundebene und klicken „In Smartobjekt konvertieren“. Das hat den Vorteil, dass wir alle Einstellungen, die wir als nächstes tätigen später noch ändern können und sie nicht fest in der Ebene gespeichert sind.

Von unserer ehemaligen Hintergrundebene, die jetzt Ebene 0 heißt, erstellen wir mit der Tastenkombination Strg + J zwei Kopien.

Wir wählen die Ebene über Ebene 0 aus (die Mittlere). Mit einem Klick auf Filter -> Scharfzeichnungsfilter -> Selektiver Scharfzeichner rufen wir eine recht umfangreiche Schärfungsmethode von Photoshop auf, die wir jetzt verwenden um das Bild zu schärfen.

Im Einstellungsfenster tätigen wir jetzt folgende Einstellungen: Einfach, Einstellungen Standard, Stärke 100%, Radius 1,2 Pixel, Verringern Objektivunschärfe und setzen den Haken bei „Genauer“. Die Einstellungen werden mit OK übernommen. Den Ebenenmodus setzen wir auf „Luminanz“ und die Deckkraft auf 50%. Wir sehen jetzt noch keine Veränderung im Bild, da die oberste Ebene die mittlere Ebene verdeckt.

Wir wählen jetzt die oberste Ebene aus und klicken danach auf Filter -> Sonstige Filter -> Hochpass. Dort einen Wert von ca. 1,2 Pixeln angeben und mit OK bestätigen. Aber jetzt ist alles schwarzweiß? Keine Sorge, wir ändern den Ebenenmodus auf „Ineinanderkopieren“ (wir haben wieder Farbe im Bild :-)) und die Deckkraft auf 50%.

Jetzt sollten wir ein sehr scharfes in Photoshop sehen, dass wir dann abspeichern oder weiter verarbeiten können. Je nachdem mit welchen Einstellungen das Bild vorher in Capture One geschärft wurde, werden die Einstellungen zu stark oder zu gering sein. Das kann man jetzt entweder über die Einstellungen der zwei Filter in den Griff bekommen (zum Glück haben wir Smartobjekte erstellt ;-)) oder am einfachsten über die Deckkraft der entsprechenden Ebenen. Ist der Effekt zu start, verringern wir die Deckkraft, ist er zu schwach, erhöhen wir sie.

Wenn wir ein Bild haben, in dem wir die Schärfung nur auf einen speziellen Bereich im Bild anwenden möchten, ist es sinnvoll die beiden obersten Ebenen, auf die wir die Filter angewendet haben, in einer Gruppe zusammenzufassen und für diese Gruppe eine Maske zu erstellen, die wir mit Strg + I umkehren. Jetzt können wir mit weißer Farbe die Bereiche freimalen, die geschärft werden sollen.

 

Photoshop Aktionen zum Download

Da vielleicht nicht jeder mit allen Erklärungen zu Photoshop etwas anfangen kann, oder man einfach nur Zeit sparen möchte, habe ich eine Aktion erstellt, die durch einen Doppelklick in Photoshop importiert und ausgeführt werden kann.
Das Bild muss lediglich mit dem beschriebenen Verfahren aus Capture One in Photoshop importiert werden und danach erledigt die Aktion alles Weitere. Am Ende werden die Ebenen nicht zusammengeführt, damit noch Einstellungen wie z.B. das Ändern der Deckkraft, möglich sind.

Hier geht’s zum Download.

 

Alternativen zu Photoshop:

Wer nicht über Photoshop verfügt kann natürlich auch jede Menge anderer Tools verwenden um das Bild im Nachhinein zu schärfen. Gute Erfahrungen habe ich mit Nik Sharpener Pro 3 und dem dort enthaltenen RAW Presharpener gemacht. Dort erhält man, meiner Meinung nach, gute Ergebnisse, wenn man die adaptive Schärfe auf ca. 70% stellt und den Schieberegler etwas in Richtung „Flächen schärfen“ schiebt. Wie bereits erwähnt hängen auch diese Einstellungen stark mit den vorher in Capture One getroffenen Einstellungen zusammen. Also ausprobieren 😉

 

Fazit

Ich habe viele Verfahren aus dem Internet getestet um aus den X-Trans RAW-Dateien gute Ergebnisse zu bekommen, aber mit meinem aktuellen Workflow bin ich bisher am zufriedensten. Das muss nicht für jeden gelten und natürlich gibt es auch noch Alternativen, wie z.B. auf dem Blog von Thomas Fitzgerald zu sehen. Auch er bietet Photoshop Aktionen zum Download an. Mit etwas Arbeit, sollte also jeder einen Workflow finden, der zufriedenstellende Ergebnisse liefert 🙂