Wie sinnvoll ist ein Grafiktablett? (feat. Wacom Intuos CTH-680S)

Lesezeit: 6 Minuten

Als Hobbyfotograf kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sich mit Grafiktabletts auseinandersetzt. Macht es für mich Sinn auf ein Grafiktablett umzusteigen, wenn man jahrelang die Bedienung mit der Maus gewöhnt ist und wo liegen die Vor- und Nachteile? Wir haben uns nun seit ca. einem Jahr damit beschäftigt und Grafiktabletts für verschiedene Aufgaben bei der Bildbearbeitung benutzt. Dafür haben wir uns das Wacom CTH-680S ausgesucht.

Unsere vorherigen Erfahrungen

Aylin hatte bisher noch keine Erfahrungen mit einem Grafiktablett gemacht, weshalb es für sie komplettes Neuland war.

Alex hatte ein Wacom Bamboo Tablett in der kleinsten Ausführung. Er hat es aber später kaum noch benutzt, da es ihm einfach zu klein war. Er war also schon mit der Benutzung vertraut.

 

Warum das Wacom CTH-680S?

Bei Graftiktabletts gibt es nicht wirklich eine große Auswahl an Herstellern. Wacom hat in diesem Bereich die meiste Erfahrung und die größte Auswahl. Das CTH-680S stellt dabei die Mittelklasse dar. Wir haben uns für die Tablettgröße M entschieden, weil wir einerseits noch genug Platz auf dem Schreibtisch haben wollten und andererseits nicht an der Arbeitsfläche sparen wollten. Alex hatte ja schon schlechte Erfahrungen mit der Größe S gemacht.

Wacom will für das CTH-680S ca. 170 € sehen. Was bekommt man dafür geboten?

 

Lieferumfang

Das Tablett kommt in einer schönen, stabilen Verpackung. Darin befindet sich:

  • das Grafiktablett (nicht zu leicht und nicht zu schwer, liegt gut auf dem Tisch und verrutscht nicht)
  • ein kurzes USB-Kabel
  • der Stift (relativ leicht aber liegt gut in der Hand)
  • Software auf CD
  • Handbuch
  • Stifthalter zum austauschen (standardmäßig eine blaue Lasche, der Ersatz ist schwarz)
  • Plastikring für den Stift (nur Optik, auch standardmäßig blau und als Ersatz schwarz)
  • 3 Ersatzminen für den Stift (befinden sich in der Rückseite unter einer der drei Abdeckungen)

 

Funktionen des Tabletts

Das Wacom bietet einen Stift mit 1024 Druckpunkten, der eine genaue Dosierung der Strichstärke erlaubt. Im Vergleich zum alten Tablett von Alex ist das eine deutliche Verbesserung. Der Stift verfügt über eine Wippe mit zwei Tasten. Hinten am Stift befindet sich ein virtueller Radiergummi.

Der Stift in der Halteschlaufe
Der Stift in der Halteschlaufe

Es gibt an der Oberseite vier frei konfigurierbare Tasten, die mit fast allem frei konfiguriert werden können.

Frei konfigurierbare Tasten
Frei konfigurierbare Tasten

Wenn man das Tablett mal nicht mit dem Stift benutzen will, kann man es auf Touch umschalten und mit dem Finger navigieren, wie man es von Touchpads auf Laptops gewohnt ist.

 

Anschließen des Tablets an den PC

Die meisten werden ein Grafiktablett an einem stationären PC verwenden und weniger an einem Laptop. Deshalb gehen wir hier nur auf den Anschluss am PC und die aufgetretenen Probleme ein.

Zuerst einmal ist das USB-Kabel zu kurz. Wenn man den PC unter dem Schreibtisch stehen hat, kann das zu Problemen führen. Aylin hat ihren PC zusätzlich rechts stehen und musste ihn dafür verrücken, Alex hat einen USB Hub verwendet. Es wäre schön, wenn ein längeres USB-Kabel inklusive wäre.

Das USB-Kabel ist nach links abgewinkelt was die Installation bei einem rechts stehenden PC zusätzlich erschwert.

Kommt man jetzt logischerweise auf die Idee ein Kabel nachzukaufen (übrigens Micro USB) steht man vor dem Problem, dass der Anschluss am Tablett tief in das Gehäuse ragt und man deshalb darauf achten muss, dass das nachgekaufte Kabel dort auch passt. Sinnvoller wäre es eine USB Verlängerung zu kaufen, wenn man mit dem Kabel Probleme hat.

Das abgewinkelte USB-Kabel ausgesteckt
Das abgewinkelte USB-Kabel ausgesteckt

 

Das USB-Kabel eingesteckt
Das USB-Kabel eingesteckt

Wacom bietet für knapp 40 € ein Wireless Kit an, das in die Rückseite des Tabletts gesteckt wird und dessen Akku über USB geladen werden kann. Das Programm wäre damit auch gelöst, aber wenn der Akku leer ist, muss man doch wieder das Kabel anschließen oder aufhören zu arbeiten 🙂

Steckplatz für das Wireless Kit
Steckplatz für das Wireless Kit

Die Treiberinstallation gibt weniger Grund zur Kritik. Eine typische “weiter, weiter, fertig” Installation sollte die wenigsten Benutzer vor Probleme stellen. Die Treiber sind auch über das Internet einfach herunterzuladen, falls es eine neuere Version gibt.

 

Einstellungen in der Software

In der Treiber-Software kann das Tablett nun konfiguriert werden. Es ist hier wichtig die verwendeten Programme auszuwählen und das Tablett auf genau diese Programme anzupassen. Einstellbar ist praktisch alles von verschiedenen Konfigurationen der ExpressKeys (vier Tasten oberhalb des Tabletts) bis hin zu Feinanpassungen der Stiftempfindlichkeit. Natürlich für jedes Programm einzeln. Der Konfiguration sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Trotzdem sind die Einstellungen gut erklärt und einfach vorzunehmen.

 

Erste Eindrücke

Am Anfang ist die Bedienung des Tablets extrem ungewohnt. Besonders, dass man mit dem Stift einen Punkt auf dem Bildschirm direkt auswählen kann, ohne wie mit der Maus einen Zeiger bewegen zu müssen, ist anfangs sehr fremd.

Wenn man noch eine Maus angeschlossen hat, ist gerade am Anfang Überwindung gefragt. Am liebsten würde man zur Maus greifen, weil die Bedienung einfach viel gewohnter ist.

Nach ein paar Tagen kommt man aber schon besser zurecht und stellt fest, dass man mit dem Tablett schneller gewisse Aufgaben erledigen kann.

Das Grafiktablett in voller Größe
Das Grafiktablett in voller Größe

 

Unsere Anwendungsbeispiele

Lightroom:

In Lightroom benutzen wir das Tablett fast gar nicht. Lediglich für das Malen mit dem Pinsel ist es praktisch. Die Regler mit dem Stift zu bewegen ist manchmal mühsam und oft verstellt man etwas versehentlich. Dort arbeiten wir also weiterhin lieber mit der Maus. Trotzdem ist das Tablett eine gute Ergänzung für Feinheiten.

 

Photoshop:

In Photoshop zeigt das Tablett erst richtig seine Stärken. Malen in Ebenen, freistellen von Objekten und Verfeinern von Auswahlen. Hier geht fast alles einfacher als mit der Maus.

Auch der Radierer ist dort sinnvoll einzusetzen, wenn man sich mal vermalt hat. Einfach den Stift umdrehen, den Fehler beheben und schon kann es weitergehen.

Mit dem Stift und einem langen Druck auf das Tablet, kann z.B. auch das Einstellungsmenü des Pinsels aufgerufen werden, um schnell die Größe und den Fluss zu ändern.

Hier sämtliche Funktionen aufzuzählen würde den Umfang des Artikels sprengen. Kurz und knapp: alles geht.

 

Windows:

Die Navigation in Windows macht nur mit dem Stift, unserer Meinung nach, wenig Sinn. Die Touch-Funktion schon eher, aber wenn man sowieso eine Maus angeschlossen hat, wird man eher zur Maus greifen.

Anderes:

Man hat ein kleines Kind zu Hause, aber kein Papier und keine Stifte. Aber man hat ein Grafiktablett! Zusammen mit Paint ergeben sich da ganz neue Möglichkeiten 🙂

 

Abnutzung der Teile und laufende Kosten

Die Spitzen nutzen sich sehr schnell ab. Das hängt natürlich auch davon ab wie und vor allem mit wie viel Druck man den Stift benutzt. Dehalb kann man auch nicht sagen “nach drei Monaten muss eine neue Spitze her”.

Fünf Spitzen kosten ca. 7 €. Für ein bisschen Plastik schon happig, aber was bleibt einem anderes übrig.

Drei Ersatzminen verstecken sich in der Unterseite
Drei Ersatzminen verstecken sich in der Unterseite
Die Abdeckungen an der Unterseite sind einfach zugänglich
Die Abdeckungen an der Unterseite sind einfach zugänglich

Man kann nur hoffen, dass sich der Radierer nicht abnutzt, denn als Ersatzteil gibt es ihn nicht zu kaufen. Dann wäre ein neuer Stift für ca. 40 € fällig.

Positiv ist, dass sich die Oberfläche des Tablets nicht sichtbar abnutzt. Das müsste eine Weile halten.

 

Fazit

Nach einem Jahr Nutzung ist unsere Erfahrung durchwachsen. Einserseits ist das Tablett von der Größe her perfekt und wir sind froh uns für genau dieses Modell entschieden zu haben, aber andererseits sind die Anwendungsfälle sehr begrenzt. Einfach die Maus beiseite legen hat bei uns nicht funktioniert. Viel mehr ist das Tablett eine Ergänzung zur Maus und weniger ein Ersatz.

Aylin hat lange gebraucht, um sich an das Tablett zu gewöhnen, will aber jetzt nicht mehr darauf verzichten. Sie benutzt hauptsächlich Lightroom und wechselt dort immer zwischen Maus und Tablett hin und her.

Alex verwendet das Tablett fast ausschließlich in Photoshop und hat, im Vergleich zu seinem alten Tablett, sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Malen auf Ebenen geht nun sehr viel einfacher, schneller und genauer. In Lightroom verwendet er trotzdem fast nur die Maus.

Die Bedienung von Windows nur mit dem Tablett vorzunehmen ist für uns beide kein Thema. Damit kommen wir nicht zurecht.

Wir empfehlen ein Grafiktablett jedem, der viel in Bildern und Ebenen malt und nicht nur mit den Reglern arbeitet. Besonders für Feinheiten ist es einfach unglaublich praktisch. Welches Tablett man nimmt spielt keine zu große Rolle, es sollte allerdings nicht zu groß und nicht zu klein sein. Wacom bietet jede Menge Tabletts an, dort sollte also für jeden etwas dabei sein. Unser Modell CTH-680S hat mittlerweile einen Nachfolger: das CTH-690. Das neue Modell hat die gleichen Funktionen wie unser Modell und sollte deshalb vergleichbar sein.