Schleppen für das gute Bild – Das Sigma 50mm f/1,4 DG HSM Art im Test

Lesezeit: 9 Minuten

Man hört immer “jeder Hersteller hat ein günstiges 50mm Objektiv im Angebot”. Stimmt auch, aber was ist, wenn man mehr will, als die günstigen 50mm Objektive mit meistens Blende 1.8 oder darunter liefern? Die meisten Hersteller bieten dann Objektive mit Blende 1.4 an, die ein vielfaches der “kleinen” Version kosten und oftmals, bis auf die Lichtstärke, nicht viel besser sind. Sigma will mit der Art-Serie Objektive herstellen, die es mit den Besten ihrer Klasse aufnehmen können. Was ich vom Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art halte, lest ihr hier.

Kurzer Überblick

Ein 50mm Objektiv gehört eigentlich in jede Fototasche sage ich immer. 50mm sind meistens “richtig”, weil die Bilder kaum Verzeichnung aufweisen, der Bildwinkel harmonisch wirkt und einfach alles “passt”. Mittlerweile hatte ich auch schon viele 50mm Objektive in der Hand, aber so richtig umgehauen hatte mich bisher nur das 50mm f/1.8 von Canon (sowohl in der alten, als auch in der neuen STM-Variante) wegen seines guten Preisleistungsverhältnisses. Es ist praktisch ideal um den Umgang mit Festbrennweiten zu lernen und bietet auch fortgeschrittenen Fotografen jede Menge Möglichkeiten, wenn man sich auf seine paar Macken einstellt. Perfekt ist es eben nicht.

Mit dem Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art befinden wir uns in einer ganz anderen Preiskategorie. Im Handel kostet das Objektiv zwischen 700 und 800 Euro. Das ist fast das doppelte, was Canon und Nikon für ihre 50mm f/1.4 Versionen verlangen und es ist mit über 800g auch noch fast dreimal so schwer wie die Konkurrenten. Viel davon kann man vermutlich auf den optischen Aufbau zurückführen, denn im Sigma ist mehr Glas verbaut. Trotzdem bleibt es im 50mm Bereich ein echtes Schwergewicht.

Wenn man solche Superlative wie “bestes 50mm Objektiv” hört, denkt man vielleicht an das Zeiss Otus, das zwar mit 55mm Brennweite nicht direkt ein 50er ist, aber trotzdem in der gleichen Liga mitspielt. Es soll wirklich eines der besten Objektive überhaupt sein, aber mit einem Preis um 3000 Euro und nochmal fast 200g mehr Gewicht, ist es in zweierlei Hinsicht ein echter Klopper.

Aktuell habe ich nur das Canon EF 50mm f/1.8 STM und das Canon EF 50mm f/1.4 USM hier, mit denen ich das Sigma vergleichen könnte, aber mein Sigma 50mm Art hat leider einen Nikon F-Mount. Von daher werde ich kurz auf die anderen Objektive eingehen und welche Erfahrungen ich mit dem jeweiligen Objektiv gemacht habe, aber keine Vergleichsbilder einstellen, weil es einfach keinen Sinn machen würde die Objektive an verschiedenen Kameras zu vergleichen.

Das Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art gibt es für folgende Anschlüsse: Nikon F, Canon EF, Sigma SA und Sony (nicht Sony FE, es passt also nicht ohne Adapter auf eine Alpha 7). Ich werde es an der Nikon D3 testen.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/1250 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/1250 Sek
Lieferumfang

Man ist es ja mittlerweile fast schon gewohnt, dass man sich eine Gegenlichtblende extra dazukaufen muss. Manche kaufen sich dann auch noch eine kleine Tasche, in der man das Objektiv gut transportieren kann.

Das Schöne am Sigma ist: das alles ist dabei.

Und ganz ehrlich, das gehört sich auch so. Fast schon traurig, dass man es extra erwähnen und einen Hersteller dafür loben muss, dass er sein Objektiv vollständig verschickt. Beim kleinen Canon 50mm f/1.8 STM (und der alten Variante natürlich auch), kann ich es verstehen, dass man auf Zubehör verzichtet um den Preis niedrig zu halten, aber bei Objektiven für 400 Euro sollte zumindest einmal eine Gegenlichtblende dabei sein. Jetzt aber genug davon, wir haben es alle bestimmt schon oft genug gehört.

Der große Filterdurchmesser von 77mm verlangt nach teuren Filtern
Der große Filterdurchmesser von 77mm verlangt nach teuren Filtern
Verarbeitung

Meine beiden Canon Objektive können bei der Varbeitung nicht punkten. Aylin hat das Nikon AF-S 50mm f/1.8G, das ist etwas besser als die Canon Objektive, aber auch nicht auf dem Level, das Sigma hier zu bieten hat. Der Bereich um den Anschluss fühlt sich sehr nach Metall an, das Bajonett ist laut Sigma aus Messing gefertigt. Der Rest ist eindeutig Plastik, aber daran sieht man wieder einmal, dass Plastik nicht gleich Plastik ist. Hier wackelt nichts, schlabbert nichts, verbiegt sich nichts, usw… Alles wirklich massiv und robust. Das Gewicht tut sein übriges, um die Wertigkeit des Objektivs zu unterstreichen.

Fokusskala und großer Fokusring
Fokusskala und großer Fokusring

Der große Fokusring ist sehr gut gedämpft, lässt sich flüssig und mit einem guten Widerstand drehen und ist kein Vergleich zur Konkurrenz (weder Canon, noch Nikon).

Der Schalter um zwischen Autofokus und manuellem Fokus zu wechseln bietet ebenfalls einen guten Widerstand und bewegt sich nur, wenn man es auch wirklich will. Eine weiße Markierung zeigt zudem an, an in welchem Modus man sich befindet. Weiß = Autofokus, Schwarz = manueller Fokus.

Der AF/MF Umschalter wirkt sehr wertig
Der AF/MF Umschalter wirkt sehr wertig

Die Gegenlichtblende ist aus Plastik, aber macht auch einen guten Eindruck. Sie rastet sauber ein und löst sich auch nicht unfreiwillig. Zwei Markierungen, eine auf dem Objektiv, eine auf der Gegenlichtblende, zeigen an, ob die Blende richtig eingerastet ist.

Die Tasche ist aus einem robusten Material, das einiges wegstecken und auch mal aggressiv geputzt werden kann, falls es mal dreckig werden sollte. Am hinteren Teil der Tasche befindet sich eine Lasche, mit der man die Tasche zum Beispiel am Gürtel, oder einem geeigneteren System befestigen kann.
Im Inneren befindet sich im Deckel eine Schaumstoff-Aussparung, die genau zur Anschlussseite des Objektivs passt. Es fliegt also nicht wild in der Tasche herum während es transportiert wird. Auf der Unterseite befindet sich ein dickes Polster, so dass das Objektiv samt Tasche auf mal etwas unsanft abgestellt werden kann.

Die beiliegende Objektivtasche
Die beiliegende Objektivtasche
Bildqualität

Bei der Beurteilung der Bildqualität beschränke ich mich auf meine Erfahrungen am Vollformatsensor der Nikon D3. Ich denke die meisten werden das Sigma an einer Vollformatkamera verwenden.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/320 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/320 Sek

Schärfe

Wenn das Sigma Art eines kann, dann scharfe Bilder produzieren. Schon bei Offenblende habe ich keine Probleme damit Landschaften zu fotografieren, wenn es sein muss, denn die Schärfe ist dabei schon gut über das gesamte Bildfeld verteilt.

100% Crop bei Offenblende aus dem Zentrum (Lightroom Standardwerte)
100% Crop bei Offenblende aus dem Zentrum (Lightroom Standardwerte)

Schon um Blende 2.0 wird das Zentrum nicht mehr schärfer, nur noch die Ecken verbessern sich etwas bis man bei Blende 4.0 angekommen ist. Ab dann kann ich keinen Anstieg der Schärfe mehr feststellen.

Was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass das Sigma absolut offenblendtauglich ist! Es gab keinen Moment in dem ich nicht mit der Schärfe in den Ecken zufrieden gewesen wäre. Vom Zentrum ganz zu schweigen. Und das kann ich nur über wenige Objektive sagen.

Besonders mein Canon 50mm f/1.4 USM  konnte mich in Sachen Schärfe nie wirklich überzeugen. Blende 1.4 ist dort praktisch nicht zu gebrauchen und bis die Schärfe in die Ecken wandert, muss man schon ordentlich abblenden. Blende 5.6 ist dort an der Tagesordnung, um überhaupt von Schärfe in den Ecken sprechen zu können.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 640, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 640, 1/160 Sek

Chromatische Aberrationen

Farbsäume in den Bildern konnte ich nicht wirklich feststellen. Klar findet man ein paar vereinzelte, wenn man genau danach sucht und wenn das Bild sowieso schon dafür prädestiniert ist, Farbsäume aufzuweisen. Das Ausmaß ist jedoch zu gering, dass ich das nicht als Problem sehe. Sollte es einem doch mal ins Auge fallen, kann Lightroom die Farbsäume sehr gut korrigieren.

Auch die beiden Canon Objektive zeigen kaum chromatische Aberrationen. Im Vergleich würde ich trotzdem dem Sigma den Vorzug geben.

100% Crop bei Offenblende - Schlimmer werden die Farbsäume nicht
100% Crop bei Offenblende – Schlimmer werden die Farbsäume nicht (Lightroom Standardwerte ohne Profilkorrektur)

Vignettierung

Bei Offenblende ist die Vignettierung sehr ausgeprägt, aber unter allen Bildfehlern, ist mir die Vignettierung noch der liebste. Meistens füge ich sie später in der Bearbeitung sowieso hinzu. Für alle, welche die Vignettierung loswerden möchten, hält Lightroom ein Objektivprofil bereit, mit dem sich die Vignettierung mit einem Klick entfernen lässt.

Im Bild sieht man einen Vorher-Nachher-Vergleich nach Anwendung der Profilkorrektur in Lightroom (alles andere sind Lightroom Standardwerte):

Bokeh

Für viele, auch für mich, ist es wichtig, dass das Objektiv in der Lage ist, einen schönen unscharfen Hintergrund abzubilden. Auch hier enttäuscht mich das Sigma nicht. Man findet wenig 50mm Objektive, die in dieser Hinsicht glänzen können und auch das Sigma ist kein 85mm Portrait-Objektiv mit cremigen Hintergrund, aber es schlägt sich wesentlich besser als die Konkurrenz.

Meine beiden Canons haben ein sehr unruhiges Bokeh (das 50mm f/1.4 USM noch mehr als das 50mm f/1.8 STM) und sehen gegen das Sigma kein Land.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 1600, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 1600, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/800 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/800 Sek

Autofokus

Den Autofokus des Objektivs habe ich mir nur einmal kurz angeschaut. Ansonsten benutze ich nahezu ausschließlich den Kontrastautofokus im Live View. Mein Eindruck ist, dass er guter Durschnitt ist, aber nicht mehr. Die Genauigkeit lässt manchmal zu wünschen übrig (das ist aber generell ein Problem, das ich mit dem Phasen Autofokus habe) und auch die Geschwindigkeit finde ich nur durchschnittlich.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@4.0, ISO 800, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@4.0, ISO 800, 1/160 Sek
Optimierung mit dem Sigma USB-Dock

Sigma bietet eine USB Dockingstation an, mit der Firmware Updates für das Objektiv installiert werden können und mit der sich der Autofokus für verschiedene Distanzen feinjustieren lässt. Ich habe mir das ganze trotz meiner Abneigung gegenüber dem Phasen-Autofokus einmal angeschaut und habe es geschafft das Objektiv für Unendlich und den Nahbereich gut zu justieren. Dazwischen fängt der Spaß aber an. Natürlich macht es Sinn für verschiedene Distanzen, verschiedene Korrekturwerte eintragen zu können. Gerade das ist mit der Feinjustierung in der Kamera schließlich aktuell nicht möglich. Trotzdem gibt es aber gewisse Zonen in denen mal der eine und mal der andere Korrekturwert greift. Vermutlich kann man das noch weiter optimieren, aber ich war es irgendwann leid. In irgendeinem Bereich hat es immer nicht gepasst. Getestet habe ich es an der D3, der D300 und der D5500. Zumindest führten die über das USB-Dock eingestellten Korrekturwerte zu einer Verbesserung an allen Kameras.

Trotzdem finde ich das USB-Dock empfehlenswert, wenn man mit dem Gedanken spielt ein Sigma Objektiv aus den neuen Serien zu kaufen, denn anders kann man keine Firmware Updates für das Objektiv einspielen. Bei manchen Objektiven lässt sich zusätzlich noch die Geschwindigkeit und das Verhalten des Autofokus anpassen.

Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/8000 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/8000 Sek
Fazit

Während andere Hersteller ihre 50mm Objektive bereits seit Jahrzehnten unverändert (Canon EF 50mm f/1.4 USM) oder nur mit geringfügigen Updates (Nikon AF-S 50mm f/1.8G) auf dem Markt halten, hat sich Sigma dazu entschlossen allen Balast über Bord zu werfen und von Grund auf ein neues Objektiv zu entwickeln, das in Sachen Bildqualität keine Kompromisse eingehen muss. Sigma zeigt was mit aktuellem Know How in Sachen Objektivbau möglich ist und lässt gerade deshalb die Konkurrenz wortwörtlich alt aussehen. Was Sigma dabei nicht im Auge behalten hat, ist das Gewicht. Man muss sich bewusst sein, dass man mit diesem Objektiv wirklich zu schleppen hat. Ob es einem die Bildqualität wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Ich persönlich würde das Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art immerwieder kaufen. Zumindest unter der Voraussetzung, das ich eine Vollformatkamera besitze. An APS-C gibt es preiswertere Alternativen, gerade auch, weil das Sigma an APS-C mehr einem Portrait-, als einem Normalobjektiv entspricht. 700-800 Euro sind ein gewaltiger Haufen Geld, aber wer wirklich das aktuell beste, einigermaßen bezahlbare, 50mm Objektiv haben will, ist beim Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art genau richtig.

Pro

+ Bildqualität
+ Verarbeitung
+ Zubehör inklusive

Kontra

– Preis
– Gewicht
– Größe
– 77mm Filtergewinde benötigt teure Filter

Noch ein paar Bilder
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 200, 1/320 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 200, 1/320 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 220, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@5.6, ISO 220, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 400, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 400, 1/160 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/8000 Sek
Nikon D3 + Sigma 50mm f/1.4 DG HSM Art@1.4, ISO 200, 1/8000 Sek